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Vorabpauschale - Das müssen Anleger wissen!

Mit der Vorabpauschale werden thesaurierende Fonds den ausschüttenden Fonds steuerlich angepasst, indem sie nun jährlich und nicht mehr nur beim Verkauf steuerlich erfasst werden.

Im Januar 2019 ist es soweit. Zum ersten Mal erhebt die Bundesregierung eine Vorabpauschale auf thesaurierende Fonds und ETFs. Schon seit Oktober 2018 informieren die Depotbanken ihre Kunden über diese Steueränderung, um die Verwirrung bei den Anlegern in Grenzen zu halten. Bei dem einen oder anderen Anleger dürfte der Blick auf sein Konto am 02. Januar 2019 jedoch trotzdem zu einer unerfreulichen Überraschung führen. Denn die Depotbanken buchen die Vorabpauschale direkt von dem Konto des Anlegers ab, ohne dass es hierfür eine gesonderte Erlaubnis des Kontoinhabers bedarf. Sollte das Konto nicht gedeckt sein, greift die Depotbank sogar auf den Kontokorrentkredit des Anlegers zurück, um die Pauschale zu begleichen. Ein guter Grund zur Panik? Wir haben uns mit den wichtigsten Fragen zur Vorabpauschale beschäftigt.

Warum gibt es überhaupt die neue Vorabpauschale?

Die neue Vorabpauschale ist Teil des Investmentsteuerreformgesetzes (InvStRefG). Ziel der Vorabpauschale ist es, eine zeitlich unbegrenzte Stundungsmöglichkeit von Steuern auf die Erträge von Kapitalanlagen zu vermeiden. Nach bisherigem Recht war dies mithilfe thesaurierender Fonds möglich, da die Besteuerung nur dann fällig wurde, wenn Anteile verkauft werden. Die zwischenzeitlich zugeflossenen Erträge, aus zum Beispiel Dividendenzahlungen, werden bei thesaurierenden Fonds im Fondsvermögen einbehalten. Dadurch erhöhte sich das Kapital des Anlegers, ohne dass eine jährliche Steuer auf den Kapitalzuwachs erhoben wurde. Durch die neue Pauschale wird diese jährliche Abgabe nun erhoben.

Für welche Fonds gilt die Vorabpauschale?

Die Vorabpauschale gilt für solche Fonds und ETFs, die ihre Gewinne thesaurieren oder teilweise thesaurieren. Für vollständig ausschüttende Fonds hat diese Änderung keine Auswirkung, da sie ihre Gewinne direkt an die Anleger ausschütten und somit automatisch besteuert werden. Eine Vorabpauschale ist hier für eine regelmäßige Besteuerung also nicht nötig. Vielmehr sind thesaurierende Fonds den ausschüttenden Fonds steuerlich gleichgestellt oder zumindest ähnlich gestellt. Die Vorabpauschale gilt im Übrigen sowohl für deutsche als auch international investierende Fonds.

Wie berechnet sich die neue Vorabpauschale?

Die Höhe der Vorabpauschale errechnet sich aus dem von der Kapitalanlagegesellschaft genannten Rücknahmepreis für Fondsanteile. Dabei gilt der Rücknahmepreis zu Beginn des Vorjahres. Dieser Wert wird mit 70% vom Basiszins multipliziert. Die 70% sind ein fixer Zinssatz. Der Basiszins ist dagegen ein variabler Zinssatz. Er wird von der Bundesbank berechnet und orientiert sich an den Zinsen für staatliche Anleihen. Für 2018 liegt der Zinssatz bei 0,87 Prozent.

Allerdings wird die Vorabpauschale nur dann angesetzt, wenn sie niedriger ausfällt als die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds. Hat der Fonds keine Wertsteigerung erzielt, so fällt für das Jahr weder Vorabpauschale noch Steuern an. Handelt es sich um einen teilweise thesaurierenden Fonds, werden die Ausschüttungen auf die Vorabpauschale angerechnet. Die Vorabpauschale kann jedoch nicht negativ werden.

Werden die Fondsanteile irgendwann veräußert, wird die Vorabpauschale wiederum für die tatsächliche Berechnung der Steuerschuld vom Veräußerungsgewinn abgezogen, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden.

Folgendes Beispiel soll die Berechnung der Vorabpauschale veranschaulichen:

Beträgt der Rücknahmepreis Anfang 2018 für einen vollständig thesaurierenden Fonds 500 € pro Anteil, so ergibt sich eine Vorabpauschale im Januar 2019 von 3,05€.

3,5 = (500€ ∗ (0,7 ∗ 0,0087))

Leitet die Vorabpauschale das Ende der thesaurierenden Fonds ein?

Die neue Vorabpauschale hat tatsächlich das Potenzial, das Interesse an thesaurierenden Fonds etwas abschwächen. Denn einer der Hauptgründe in einen thesaurierenden statt ausschüttenden Fonds zu investieren war bisher der Vorteil die Steuerschuld, solange stunden zu können, bis die Anteile verkauft werden. Dieser Vorteil wurde durch die Gesetzesänderung nun relativiert. Sie wird allerdings nicht ganz aufgehoben! Denn wie die Beispielrechnung zeigt, fällt die Höhe der Vorabpauschale in vielen Fällen geringer aus, als der eigentliche Wertzuwachs des Fonds. Daher wird in solchen Fällen immer nur ein Teil der tatsächlich zu bezahlenden Steuer mit der Pauschale beglichen. Der Vorteil der Steuerstundung wird also nicht vollständig aufgehoben, sondern lediglich abgemildert.

Zudem sind nicht alle Privatanleger von der Vorabpauschale betroffen. Denn wie bei anderen Kapitalerträgen auch, gilt für die Vorabpauschale der steuerliche Freibetrag von derzeit 801€ für Ledige und 1602€ für Verheiratete pro Jahr. Übersteigen die Kapitalerträge insgesamt also nicht diesen Betrag, wird auch die Vorabpauschale nicht fällig.

TIPP! Solltest Du bisher noch keinen Freistellungsauftrag bei Deiner Depotbank eingereicht haben, kann es also durchaus sinnvoll sein, das schnellstmöglich nachzuholen.

Thesaurierender ETF im Vergleich zum ausschüttenden ETF

Die folgende Beispielrechnung stellt die Auswirkung der Vorabpauschale auf einen thesaurierenden ETF genauer dar und macht den Unterschied zum ausschüttenden ETF deutlich. Es handelt sich hierbei um eine vereinfachte Beispielrechnung. Ausgangsszenario: Der fiktive Anleger Peter erwirbt zwei DAX ETF Anteile. Die ETFs sind exakt identisch, nur dass ein ETF thesaurierend und der andere ausschüttend ist.

Beispiel A: Thesaurierender DAX ETF

Peter kauft am 01.01.2018 einen Anteil an einem thesaurierenden DAX ETF im Wert von 1000€.

Am 01.08.2018 wird eine Dividende in Höhe von 50€ pro Anteil ausgezahlt. Da es sich um einen thesaurierenden ETF handelt, verbleiben die 50€ im ETF und erhöhen den Wert auf  1.050€.

Am 02.01.2019 muss Peter zum ersten Mal Steuern auf die Vorabpauschale des thesaurierenden Fonds bezahlen.

Vorabpauschale = 1.000€ (ETF Wert am 01.01.2018) ∗ 70% (fixer Wert) ∗ 0,87% (Basiszins) = 6,09€

Steuerschuld auf die Vorabpauschale: 6,09€ ∗ 30% (Teilfreistellung) * 26,375% (Kapitalertragssteuer + Soli) = 0,48€

Am 01.02.2019 verkauft Peter den ETF für 1.150€ an der Börse. Insgesamt hat er mit dem Verkauf 150€ verdient, die er versteuern muss. Da Peter über die Vorabpauschale bereits 0,48€ Steuern gezahlt hat, kann er diese wiederum verrechnen.

Steuerschuld Verkaufserlös: (150€ ∗ 30% (Teilfreistellung) ∗ 26,375% (Kapitalertragssteuer + Soli)) – 0,48€ (bereits bezahlte Vorabpauschale) = 11,39€

Insgesamt hat Peter für den thesaurierenden ETF 11,87€ Steuern gezahlt (Steuerschuld aus Vorabpauschale 0,48€ und Verkaufserlös 11,39€).

Beispiel B: Ausschüttender DAX ETF

Peter kauft am 01.01.2018 einen Anteil eines ausschüttenden DAX ETFs im Wert von 1.000 €.

Am 01.08.2018 wird ebenfalls eine Dividende in Höhe von 50€ pro Anteil ausgezahlt. Da es sich um einen ausschüttenden ETF handelt, werden die 50€ direkt an Peter ausgezahlt. Peter muss die 50€ sofort versteuern.

Steuerschuld Dividende: 50€ (Dividende) ∗ 30% (Teilfreistellung) ∗ 26,375% (Kapitalertragssteuer + Soli) = 3,96€

Da es sich um einen ausschüttenden ETF handelt, muss Peter am 02.01.2019 keine Vorabpauschale versteuern.

Am 01.02.2019 verkauft Peter ebenfalls den ausschüttenden ETF an der Börse. Da diesem bereits die 50€ Dividende entzogen wurden, bekommt er für den ETF an der Börse nur 1.100€. Er hat mit dem Verkauf des ETF 100 € verdient, die er versteuern muss.

Steuerschuld Verkaufserlös: 100€ ∗ 30% (Teilfreistellung) * 26,375% (Kapitalertragssteuer + Soli) = 7,91€

Insgesamt hat Peter für den ausschüttenden ETF ebenfalls 11,87€ Steuern gezahlt (Steuerschuld aus Dividende 3,69€ und Verkaufserlös 7,91€).

Fazit Beispielrechnung

Der Vergleich der Beispiele A und B macht deutlich, dass insgesamt der gleiche Betrag an Steuern für den thesaurierenden und ausschüttenden ETF in Höhe von 11,87€ gezahlt wurde. Lediglich der Zeitpunkt beziehungsweise die Höhe der Teilbeträge unterscheiden sich. Das Beispiel zeigt jedoch auch, dass es sich aus steuerlicher Sicht nach wie vor lohnen kann, in einen thesaurierenden Fonds oder ETF zu investieren. Denn vor dem eigentlichen Verkauf musste Peter nur 0,48€ Steuern zahlen, während er beim ausschüttenden ETF durch die Dividende bereist 3,69€ gezahlt hat. Peter konnte also einen Teil seiner Steuerschuld nach wie vor über den thesaurierenden ETF stunden.

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