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Private Altersvorsorge - Interview mit Finanzbloggerin Jennifer Rößner

Jennifer Rößner ist die Frau hinter dem Blog Ex-Studentin und konnte durch Ihre persönliche Art eine treue Leserschaft aufbauen. Auch Funk und Fernsehen sind bereits auf Jennifer aufmerksam geworden. Am 05. September 2017 hatte sie einen kleinen Fernsehauftritt im SWR. Bei dem Themen Vermögensaufbau und private Altersvorsorge hilft der Blog nicht dabei reich zu werden. Vielmehr stehen die finanzielle Unabhängigkeit und die selbstverantwortliche Entscheidungsfindung im Vordergrund. Das Einzigartige an Jennifers Artikeln ist, dass Gegebenheiten des alltäglichen Lebens fließend mit Fragen aus der Finanzwelt kombiniert werden. Die sehr komplexe und teilweise trockene Finanzwelt wird durch diesen Ansatz durchbrochen und auch für Leserinnen greifbar, die sich zum ersten Mal mit der privaten Geldanlage beschäftigen.

„Ich träume von einem ruhigen, zufriedenstellenden Leben.“

Im folgenden Interview geht es um die Anfänge von Jennifers Interesse an dem Finanzmarkt und ihre persönliche Anlagestrategie im Hinblick auf die private Altersvorsorge. Anschließend interessiert es mich sehr, wie sie die indirekte Geldanlage in Immobilien einschätzt und ob hier ein Potenzial vorliegt, um die spezifischen Bedürfnisse von Frauen an Anlageprodukte zu erfüllen.

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Interview – Start –

Seit wann setzt Du Dich mit dem Thema Finanzen und private Altersvorsorge auseinander?

So richtig angefangen hat es bei mir als Berufseinsteigerin, als ich jeden Monat Geld übrig hatte und mich gefragt habe: „Was mache ich jetzt damit?“ Etwa im Alter von 23 habe ich mit dem Investieren angefangen. Interesse an Finanzen hatte ich aber schon als Kind: Ich mochte Mathe und rechnete mir gerne die Zinsen aus, die mir mein Sparbuch bringen würde. Bei der Berufswahl hatte ich im Hinterkopf, dass ich mir einen Job suchen muss, bei dem am Monatsende was übrig bleibt.

Gab es ein bestimmtes Ereignis, das dich sozusagen wach gerüttelt hat?

Mein Papa war der typische Alleinverdiener mit 3 Kindern. Das Nichtvorhandensein von Geld schwebte ständig im Raum, weswegen ich schon als Kind fleißig Geld sparte, damit ich davon einen Führerschein bezahlen kann. Der Wachrüttler zum Investieren kam, als mir ein Versicherungsvertreter eine betriebliche Altersvorsorge schmackhaft machen wollte. Ich rechnete mir aus, dass durch die ganzen Gebühren am Ende über 100.000€ weniger bei rauskommen würde als wenn ich es selbst anlege. Kurz darauf eröffnete ich mein Depot und startete an der Börse.

Wie der Name Deines Blogs „Ex-Studentin“ schon erahnen lässt, verbindest du den klassischen Studenten-Lifestyle mit dem Investitionsprozess. Wo siehst Du hier den Zusammenhang und mögliche Wechselwirkungen?

Im Studium oder in der Ausbildung übernimmt man normalerweise Verantwortung für das eigene Geld. Ob man sich das neuste iPhone kauft, überlegt man zweimal, wenn man dafür am Ende des Monats kein Geld für Essen hat. Gebrauchte Möbel, gemütlicher Abend mit Freunden in der WG-Küche… Man kann sich mit rund 800€ ein schönes Leben gestalten. Kaum verdient man das Doppelte oder Dreifache, ändern viele ihr Leben. Sie nehmen Schulden auf und merken nicht, dass die teure Einbauküche oder die 10. Handtasche nicht langfristig glücklicher machen. Zusätzlich beobachte ich in meinem Umfeld, wie sich viele von irgendwelchen Versicherungsmaklern unnützes Zeug aufquatschen lassen. Man darf die Verantwortung für eigene Lebensentscheidungen nicht aus der Hand geben, sondern muss (wie man es im Studium lernt) sich Informationen aus seriösen Quellen selbst beschaffen, die wichtigsten Eckpunkte ermitteln und Entscheidungen abwägen. Der Klassiker: Man verbringt stundenlang damit, sich irgendein elektronisches Gerät auszusuchen (trifft auch auf mich zu), schiebt aber die Themen Steuererklärung & Finanzen ewig vor sich her.

Die Finanzbranche verändert sich rasend schnell und in den letzten Jahren hat das Bewusstsein für Frauen als neue Zielgruppe zugenommen. Hast Du in Deinen Jahren als aktive Finanzbloggerin ein Umdenken bei den Frauen wahrnehmen können?

Ich merke, dass es mehr weibliche Bloggerinnen gibt als noch vor rund 3 Jahren und auch Banken & Medien sich gezielter an Frauen richten. Dadurch werden viel mehr Frauen erreicht. Die Facebook-Gruppe von „MadameMoneyPenny“ hat derzeit über 30.000 Mitglieder und ich finde es toll, wie viele Frauen ihre Finanzen nun selbst in die Hand nehmen. Das ist kein Hexenwerk. Investieren hat nicht unbedingt was mit „Kann ich das?“ zu tun, sondern viel eher mit dem Selbstbewusstsein, weil viele nicht wissen: So einfach wie man ein Girokonto eröffnen kann, kann man auch ein Depot eröffnen.

Laut eigener Angaben agierst du bei der Geldanlage eher risikoavers, hast aber das Bestreben die Investitionsstrategie risikoreicher zu gestalten. Welche Investitionsstrategie verfolgst Du derzeit und stößt Du selbst teilweise auf Ängste und Hemmungen?

Anfangs war mir die Börse sehr suspekt. Ich investiere nun seit 2015 und schaue kaum noch in mein Depot. Letztens musste ich mir neue Zugangsdaten schicken lassen, weil ich mein Passwort nicht mehr wusste. Ich bin sehr bequem geworden und lasse meine ETF-Sparpläne laufen. Ca. 2x im Jahr kaufe ich Einzelaktien, wenn ich von einem interessanten Unternehmen höre und die Kurse niedrig sind. Die bequemste Version bleiben für mich ETFs, weil man sich darum nur 1 Stunde im Jahr kümmern muss: Sparplan einrichten und am Ende des Jahres prüfen, ob sich was an den Gebühren oder der Besteuerung ändert. Der risikoarme Anteil meines Vermögens (=Tagesgeld) beträgt nach wie vor über 25.000€. Damit fühle ich mich sicher. Egal was passiert (z.B. Jobverlust, Krankheit, Autokauf etc.), ich müsste nicht sofort zu schlechten Kursen meine Wertpapiere verkaufen.

Aber dieser risikoarme Puffer ist immer individuell. Jemand, der im Notfall wieder bei seinen Eltern einziehen kann, braucht einen viel geringen finanziellen Puffer als ich oder jemand, der ein verschuldetes Haus und Kinder hat.

In Zeiten von Niedrigzinsen und schwankenden Märkten gewinnt auch der Immobiliensektor im Rahmen der finanziellen Vorsorge zunehmend an Bedeutung. Die indirekten Anlagemöglichkeiten in Immobilien weisen ein breites Spektrum auf – offene Immobilienfonds, geschlossene Immobilienfonds, REITs, Immobilien ETFs und Immobilien-Crowdinvesting. Wie beurteilst Du diese alternative Geldanlage? Können evtl. die spezifischen Bedürfnisse an Anlageprodukte von Frauen durch Immobilieninvestments befriedigt werden?

Da man das eigene Vermögen stets auf mehreren Säulen bauen sollte, passen auch Immobilien ins Konzept. Bisher bin ich da aber nicht investiert, weil ich mich mit REITs und Co. noch nicht auseinandergesetzt habe.

Was verstehst Du unter einer risikoreichen/ risikoarmen Investition? Betrachtet man die Vorteile des Immobilienmarktes (Wertbeständigkeit von Immobilien, Absicherung gegen die Inflation), in welche Kategorie, risikoarm/risikoreich, würdest Du Investitionen in Immobilien einteilen?

Alles, was mit hohen Renditen lockt, ist automatisch risikoreich. Risikoreich ist alles, was ich nicht selbst beeinflussen kann und somit auch der Immobilienmarkt. Viele Investments stehen und fallen mit Gesetzesänderungen, politischen Ereignisse und personellen Entscheidungen. Ein risikoarmes Investment ist für mich die eigene Weiterbildung, wenn man z.B. ein gutes Buch liest oder sich coachen lässt.

Hast Du zum Schluss noch einen Tipp an die Leserinnen?

Man muss herausfinden, wie man sich mit dem Thema Finanzen am wohlsten fühlt. Ich empfehle, erst mal das Sparen zu lernen: Alle derzeitigen Kosten auf den Prüfstand stellen & reduzieren (z.B. Versicherung wechseln, Glühbirnen durch LED ersetzen) und das mögliche Sparpotential ermitteln. Direkt nach Geldeingang die Sparrate auf ein extra Konto überweisen und liegen lassen. Mit kleinen Summen anfangen und dann steigern. Wer dem Drang nachgibt, dieses Ersparte wieder auszugeben bzw. ständig darauf zurückgreifen muss, der ist noch nicht bereit fürs Investieren. Wer hingegen bereit ist, kann erst mal mit kleinen Summen anfangen. Sparpläne gibt es ab 25€ und sollte man zu Beginn als Spielgeld sehen. Lieber mit 25€ anfangen, als sich jahrelang einzulesen und nie zu beginnen. Das Gute ist: Was mit 25€ im Monat klappt, funktioniert später auch mit jeder anderen Summe.

Interview – Ende –

 

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