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Finanzielle Unabhängigkeit definieren!

Das Bestreben nach finanzieller Unabhängigkeit hat zum Kern, dass das passive Einkommen, welches in der Regel durch Investitionstätigkeiten erwirtschaftet wird, grundsätzlich ausreicht. Die Bezifferung des passiven Einkommens mit dem Attribut “genug” bzw. “ausreichend” erscheint mir allerdings als sehr subjektiv und ausbaufähig. Während ich mich mit dem Thema näher beschäftigt habe, wurde schnell deutlich, dass verschiedene Ansätze kursieren, um die finanzielle Unabhängigkeit zu definieren. Was mir hierbei aufgefallen ist, möchte ich im Folgenden kurz erläutern. Vielleicht findest Du am Ende eine Antwort auf die Frage, was finanzielle Unabhängigkeit für Dich konkret bedeutet.

Mir sind vorrangig zwei Definitionsansätze aufgefallen:

  • Die Höhe des ausreichenden passiven Einkommens steht in Abhängigkeit zu dem aktuellen Lebensstandard.
  • Finanzielle Unabhängigkeit ist erreicht, wenn das passive Einkommen ausreicht, um die Grundbedürfnisse zu decken.

 

Finanzielle Unabhängigkeit_Zitat

Die Höhe des ausreichenden passiven Einkommens steht in Abhängigkeit zu dem aktuellen Lebensstandard.

Bei der willkürlichen Betrachtung von Blogbeiträgen über die finanzielle Unabhängigkeit fällt schnell ein fortlaufendes Muster auf. Investoren/Investorinnen messen ihren Fortschritt, bezogen auf den Aufbau eines passiven Einkommens, auf zwei unterschiedliche Art und Weisen:

 

“Ich werde finanziell unabhängig sein, wenn mein Nettowert das 25-fache meiner Ausgaben beträgt!”

“Ich werde finanziell unabhängig sein, wenn mein passives Einkommen exakt meinen Ausgaben entspricht!”

 

Die Definition von finanzieller Unabhängigkeit auf Basis des gegenwärtigen Lebensstandards bedeutet demnach, dass schlichtweg ein beliebiger Datenpunkt im Lebensverlauf gewählt wird, um darauf aufbauend einen Maßstab zu definieren. Dieser Punkt unterliegt dabei aber der aktuellen Verzerrung. Anders ausgedrückt, verbirgt sich hinter dem Wort Lebensstandard lediglich eine unsystematische und schwankende Metrik. Benutzt man diese also zur Definition der finanziellen Unabhängigkeit, wird die finanzielle Unabhängigkeit selbst sowohl belanglos als auch schwankend.

 

Dein Lebensstandard ist variabel

Ein Beispiel: Im Alter von 24 Jahren benötige ich etwa 2.000 € im Monat, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Das würde bedeuten, dass ich mich offiziell und mit Auszeichnung als finanziell unabhängig betiteln darf, sobald 2.000 € monatlich passives Einkommen erwirtschaftet werden. Der aktuelle Lebensstandard ist allerdings variabel. Mit nur etwas Mühe kann ich meine Lebenshaltungskosten senken. Eine kleinere Wohnung, der Verkauf des Autos und weniger Restaurantbesuche. All das würde mein so errechnetes passives Einkommen, dass ich als genug erachte, schmälern.

Wahrscheinlich wird der andere Fall eintreten. Mit zunehmenden Alter und steigendem Einkommen werden meine Ansprüche höchstwahrscheinlich steigen. Sparmaßnahmen des typischen Studentenlebens, sprich Wohngemeinschaften und dreimal die Woche Nudeln mit Pesto zum Abendessen, werden hoffentlich obsolet werden. Wie sieht mein passives Einkommen dann mit 25, 35 oder 54 aus? Der Wunsch nach Kindern und einem Eigenheim. Wie verändern diese Parameter mein errechnetes passives Einkommen?

Finanzielle Unabhängigkeit ist erreicht, wenn das passive Einkommen ausreicht, um die Grundbedürfnisse zu decken.

Allem Anschein nach ergibt die zweite Definition mehr Sinn. Generell können Deine Ausgaben zweigeteilt betrachtet werden: Grundbedürfnisse und Wünsche. Während die Grundbedürfnisse fest und nicht verhandelbar sind, können die Wünsche gravierend schwanken. Somit gilt, wenn Dein passives Einkommen Deine Bedürfnisse deckt, wird alles andere mehr oder weniger zur Wahl. Entscheidest Du Dich für eine bezahlte berufliche Tätigkeit, dann weil Du es willst und nicht weil Du es musst.

 

Nichtsdestotrotz werden auch hier in der Argumentation einige Lücken ersichtlich:

Zunächst kann sich die Differenzierung zwischen Bedürfnissen und Wünschen als durchaus schwierig herausstellen. Sicherlich kommen wir darüber ein, dass Lebensmittel und ein Dach über dem Kopf zu den Grundbedürfnissen zählen, dennoch gibt es enorme Unterschiede in der Realität. Die Grenzen zwischen Bedürfnissen und Wünschen schwanken. Denn nach diesem Maßstab würde auch das Gold-Steak von Ribery in die Kategorie Grundbedürfnis fallen. Auch steigen die Grundausgaben, sobald Kinder im Haus sind, erste Reparaturen am Eigenheim fällig werden, oder die Kosten für die Krankenkasse steigen.

 

 

Finanzielle Unabhängigkeit_Zitat Albert Einstein

Wie hoch ist genug?

Wie definiere ich nun für mich ein ausreichend passives Einkommen, das meine finanzielle Unabhängigkeit sichert? Sicherlich könnte ich das Barometer meiner Grundkosten jährlich neu ansetzen. Ich könnte mir auch jedes Jahr einen neuen Vergleichsmaßstab für die finanzielle Unabhängigkeit setzen, da die Rechnung “Nettovermögen = 25 mal meine Ausgaben” stetig im Fluss ist. Das würde dazu führen, dass ich 2025 bereits finanziell unabhängig sein kann. Im Jahr 2026 könnte das aber schon nicht mehr der Fall sein, vielleicht erreiche ich die Marke aber wieder im Jahr 2027. Diese Herangehensweise ist meines Erachtens völliger Nonsens.

Ich denke, dass es unmöglich ist, die finanzielle Unabhängigkeit mit einer plumpen Zahl zu versehen. Vielmehr vertraue ich auf mein Gefühl. Niemand weiß, welche Summe hinter dem Wort “ausreichend” steht, auch weiß niemand wann das absolute Minimum erreicht ist. Die finanzielle Unabhängigkeit sollte demnach nicht als Ziellinie verstanden werden, die zum Tag X überquert werden muss. Das hört sich jetzt vielleicht etwas kitschig und verklärt an, aber die finanzielle Unabhängigkeit richtet sich nach der persönlichen Einstellung zum Leben und der Philosophie, die dahinter steht. Vor allem sollte es kein Maßstab werden, um sich vor Freunden zu profilieren. Vielleicht kann es als die Kunst des Genügens angesehen werden, da möchte ich mich aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Meine Definition von finanzieller Unabhängigkeit

Finanzielle Unabhängigkeit ist meines Erachtens erreicht, wenn das potenzielle passive Einkommen, das klassischerweise über Investitionen erzielt wird, ausreicht, um Entscheidungen fern ab von Verpflichtungen, Ängsten oder aus Abhängigkeiten heraus zu treffen. Passives Einkommen soll Dir die Option liefern, von Deinen Investitionen früher oder später leben zu können. Der Punkt an dem das Gefühl der Entscheidungsfreiheit und der Autonomie ansetzt, kann mit Gewissheit nicht in Zahlen gefasst werden. Es geht darum, dass Du Dein Leben innerhalb der finanziellen Gegebenheiten, exakt so verbringen kannst, wie Du es möchtest.

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